Bericht
Hamburg Portfolio Review 2024
„Hamburg Portfolio Review“ (HPR) ist ein international ausgerichteter Wettbewerb, der Kunst, Fotografie und Qualitätsjournalismus miteinander verbindet. HPR wurde gegründet, um künstlerische Fotografie und Fotojournalismus zu fördern. Beide Segmente der Fotografie stehen unter erheblichem wirtschaftlichen Druck, der sich durch die Verbreitung der künstlichen Intelligenz noch verstärkt hat. Viele Fotograf:innen können kaum noch von ihrer Arbeit leben und sind darauf angewiesen, ihre Bilder oder Geschichten auch international zu verkaufen und neue Vertriebswege zu erschließen.
Hamburg Portfolio Review bietet eine einmalige Plattform, auf der Fotograf:innen ihre Arbeiten präsentieren und wichtige Kontakte knüpfen können. Fotojournalismus ist ein wichtiger und authentischer Bestandteil unserer demokratischen Pressefreiheit. Er ermöglicht es, das Leben und die Situationen anderer Menschen sowie komplexe, gesellschaftlich und politisch relevante Zusammenhänge schnell zu verstehen. Denn die Sprache der Bilder ist universell und damit die relevante internationale Kommunikation – und das fördern wir, indem wir Fotograf:innen, Bildjournalist:innen und Künstler:innen aus aller Welt mit führenden Institutionen aus Medien, Museen, NGOs und der Kulturlandschaft vernetzen.
„Hamburg Portfolio Review“ leistet einen aktiven Beitrag zu Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit. Gleichzeitig ist „Hamburg Portfolio Review“ auch eine engagierte Stimme für Fotografie als Kulturgut. Diese Ziele verfolgt auch der Deutsche Fotorat, zu dessen Gründungsmitgliedern FREELENS gehört. Dabei ist HPR immer auch ein offener Raum, in dem neue Talente sichtbar werden können – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter oder finanzieller Situation.
Als kostenfreier, genreübergreifender Wettbewerb bietet HPR eine niedrigschwellige und zugleich professionelle Plattform für Austausch, Weiterbildung und nachhaltige Vernetzung. HPR wird seit 2021 jährlich neu ausgeschrieben und gewinnt international immer mehr an Bedeutung.
Im Jahr 2024 verzeichnete die Hamburg Portfolio Review 1.293 Bewerbungen aus 100 Ländern und festigte damit ihre Rolle als international relevante Plattform für Fotografie und visuellen Journalismus. Die große Vielfalt der Einreichungen spiegelte aktuelle globale Herausforderungen ebenso wider wie individuelle künstlerische Perspektiven.
Eine internationale Jury wählte 100 Finalist:innen aus, die im Rahmen des digitalen Review-Tages mit über 50 renommierten Expert:innen aus internationalen Medien, Agenturen und Institutionen zusammentrafen. In rund 400 digitalen Einzelgesprächen – über 13 Zeitzonen hinweg – erhielten die Teilnehmenden individuelles Feedback und konnten wertvolle Kontakte für ihre berufliche Zukunft knüpfen. Diese Gespräche bilden das zentrale Element der HPR und eröffnen konkrete Perspektiven für Kooperationen, Veröffentlichungen und Ausstellungen.
Ein wesentlicher Bestandteil der Hamburg Portfolio Review 2024 war die begleitende Ausstellung, die sich durch eine hohe thematische Relevanz und gesellschaftliche Dringlichkeit auszeichnete. Im Fokus standen unter anderem die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Zwei fotografische Serien zeigten auf sehr unterschiedliche Weise, wie angrenzende Länder und deren Gesellschaften mit den Folgen des Krieges umgehen.
Auch die Klimakrise als eine der größten globalen Herausforderungen unserer Zeit war in mehreren Arbeiten präsent. Diese untersuchten eindrücklich die weitreichenden Konsequenzen für Politik, Gesellschaft und Lebensräume weltweit.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle der Frau im kulturellen und historischen Kontext. Die ausgestellten Arbeiten machten strukturelle Formen gesellschaftlicher Unterdrückung sichtbar – etwa durch die Auseinandersetzung mit Gewalt gegen Frauen im Iran oder durch die Aufarbeitung historischer Zwangssterilisationen in Grönland.
Insgesamt verbanden 23 herausragende fotografische Positionen individuelle Perspektiven mit globalen Fragestellungen und formulierten einen eindringlichen Appell für mehr Menschlichkeit, Aufklärung und gesellschaftlichen Wandel.
Ergänzt wurde die HPR 2024 durch ein vielseitiges Rahmenprogramm mit Panels und Keynotes. Das Panel „Press Freedom: Courage in the Face of Censorship“ widmete sich der Bedeutung von Pressefreiheit unter zunehmend schwierigen politischen Bedingungen. Die iranische Fotografin Yalda Moaiery und Gemma Pörzgen von Reporter ohne Grenzen diskutierten gemeinsam mit Moderator Sebastian H. Schroeder über Mut, Risiken und Verantwortung im journalistischen Arbeiten unter Zensur und Repression.
Die Canon Keynote mit der niederländischen Fotografin und Filmemacherin Ilvy Njiokiktjien setzte einen praxisnahen Schwerpunkt. Im Mittelpunkt standen die Realisierung und Finanzierung langfristiger fotografischer Projekte. Njiokiktjien gab Einblicke in ihre Arbeitsweise und teilte Strategien zur Entwicklung nachhaltiger, wirkungsvoller Bildgeschichten. Anhand ihrer langjährigen Erfahrung in der Dokumentation globaler sozialer und politischer Themen zeigte sie auf, wie fotografische Visionen erfolgreich umgesetzt und langfristig getragen werden können. Die Keynote inspirierte Fotograf:innen dazu, ambitionierte Projekte zu verfolgen, die sich kritisch mit zentralen globalen Fragen auseinandersetzen.
Das vollständig digitale und kostenfreie Format der HPR ermöglichte auch 2024 eine breite internationale Teilnahme und setzte ein starkes Zeichen für Inklusion und Nachhaltigkeit. Fotograf:innen aus unterschiedlichsten Kontexten konnten unabhängig von finanziellen oder geografischen Einschränkungen teilnehmen und sich international vernetzen.
Die Hamburg Portfolio Review 2024 stärkte damit nicht nur die individuelle Entwicklung der teilnehmenden Fotograf:innen, sondern positionierte sich zugleich als wichtiger Ort für den internationalen Austausch über die gesellschaftliche Rolle von Fotografie und deren Zukunft im Spannungsfeld von Technologie, Politik und Öffentlichkeit.