Bericht
Hamburg Portfolio Review 2023
„Hamburg Portfolio Review“ (HPR) ist ein international ausgerichteter Wettbewerb, der Kunst, Fotografie und Qualitätsjournalismus miteinander verbindet. HPR wurde gegründet um künstlerische Fotografie und Fotojournalismus zu fördern, beide Segmente der Fotografie stehen unter erheblichen wirtschaftlichen Druck, der sich durch die Verbreitung der künstlichen Intelligenz noch verstärkt hat. Viele Fotograf:innen können kaum noch von ihrer Arbeit leben und sind darauf angewiesen, ihre Bilder oder Geschichten auch international zu verkaufen und neue Vertriebswege zu erschließen. Hamburg Portfolio Review bietet eine einmalige Plattform, auf der Fotograf:innen ihre Arbeiten präsentieren und wichtige Kontakte knüpfen können. Fotojournalismus ist ein wichtiger und authentischer Bestandteil unserer demokratischen Pressefreiheit. Er ermöglicht es, das Leben und die Situationen anderer Menschen und komplexe, gesellschaftlich und politisch relevante Situationen schnell zu verstehen. Denn die Sprache der Bilder ist universell und damit die relevante, internationale Kommunikation - und das fördern wir, indem wir Fotograf:innen, Bildjournalist:innen und Künstler:innen aus aller Welt mit führenden Institutionen aus Medien, Museen, NGOs und der Kulturlandschaft vernetzen. „Hamburg Portfolio Review“ leistet einen aktiven Beitrag zu Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit. Gleichzeitig ist „Hamburg Portfolio Review“ aber auch eine engagierte Stimme für Fotografie als Kulturgut. Diese Ziele verfolgt auch der Deutschen Fotorat, zu dessen Gründungsmitgliedern FREELENS gehört. Dabei ist HPR auch immer ein offener Raum, in dem neue Talente sichtbar werden können, unabhängig von ihrer Herkunft, Geschlecht, Alter oder finanzieller Situation. Als kostenfreier, genreübergreifender Wettbewerb bietet HPR eine niedrigschwellige und zugleich professionelle Plattform für Austausch, Weiterbildung und nachhaltige Vernetzung. HPR wird seit 2021 jährlich neu ausgeschrieben und gewinnt international immer mehr an Bedeutung.
Im Jahr 2023 verzeichnete die Hamburg Portfolio Review 1.266 Bewerbungen aus 98 Ländern und zeigte bereits in dieser frühen Phase ihre internationale Strahlkraft. Die eingereichten Arbeiten spiegelten eine große thematische und ästhetische Bandbreite wider – von dokumentarischen Projekten über gesellschaftspolitische Reportagen bis hin zu künstlerisch-experimentellen Positionen.
Eine internationale Jury wählte 100 Finalist:innen aus, die im Rahmen des digitalen Review-Tages mit über 50 renommierten Expert:innen aus internationalen Medien, Institutionen und Agenturen in Austausch traten. In rund 400 digitalen Einzelgesprächen – verteilt über 13 Zeitzonen – erhielten die Teilnehmenden fundiertes Feedback und konnten wertvolle Kontakte für ihre weitere berufliche Entwicklung knüpfen. Diese Gespräche bilden das Herzstück der HPR und eröffnen konkrete Perspektiven für Veröffentlichungen, Ausstellungen und langfristige Kooperationen.
Ein zentraler Bestandteil der Hamburg Portfolio Review 2023 war zudem die begleitende Ausstellung, in der ausgewählte Arbeiten der Finalist:innen einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert wurden. Diese Ausstellungen im öffentlichen und institutionellen Raum tragen wesentlich dazu bei, die Sichtbarkeit der teilnehmenden Fotograf:innen zu erhöhen und den Dialog zwischen Publikum und fotografischer Praxis zu fördern.
Die Ausstellungen der Hamburg Portfolio Review zeigten in ihrer jeweils eigenen Weise eine Auswahl an Serien, die unsere derzeitige gesellschaftliche und weltpolitische Lage oder persönliche Lebenssituation widerspiegeln. Wir sehen eine permanente Gleichzeitigkeit an gegenwärtigen Ereignissen, mit denen Länder, Kulturen oder Individuen konfrontiert sind.
Neben den anhaltenden Folgen und Auswirkungen des russischen Angriffskrieges sind es die Herausforderungen und der Umgang mit der Klima- und Energiekrise, sowie ein bedingungsloses Postulat einer Toleranz und Akzeptanz gegenüber Geschlechtern, Hautfarben oder Religionen. Es sind die drängenden Perspektiven und Haltungen der Fotograf*innen, die eine Relevanz der wiedergegebenen Ereignisse deutlich machen.
Ergänzt wurde das Programm durch inhaltliche Formate, die aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen der Fotografie reflektierten. Die Canon Keynote mit der äthiopischen Fotografin und Canon Ambassador Aïda Muluneh unter dem Titel „The Art of Advocacy“ setzte einen starken inhaltlichen Impuls. Muluneh thematisierte die Rolle von Fotografie als Mittel gesellschaftlicher Einflussnahme und betonte die Verantwortung von Bildschaffenden in globalen Diskursen.
Das Panel „AI – journalistic ethics vs. artistic freedom“ griff eines der drängendsten Themen der Gegenwart auf: den Einfluss künstlicher Intelligenz auf fotografische Praxis und visuelle Glaubwürdigkeit. Mit Santiago Lyon (Content Authenticity Initiative), Ivonne Thein (Künstlerin) und Heinrich Holtgreve (Fotograf und Dozent) diskutierten ausgewiesene Expert:innen die Spannungsfelder zwischen journalistischer Integrität, technologischer Entwicklung und künstlerischer Freiheit. Dabei wurde deutlich, dass der Umgang mit KI nicht nur technische, sondern vor allem ethische und gesellschaftliche Fragen aufwirft.
Das vollständig digitale und kostenfreie Format der HPR ermöglichte auch 2023 eine breite internationale Teilnahme und setzte ein wichtiges Zeichen für Inklusion und Nachhaltigkeit im Kulturbereich. Insbesondere für Fotograf:innen aus Regionen mit eingeschränkten Ressourcen eröffnete die Plattform neue Chancen zur globalen Sichtbarkeit und Vernetzung.
Die Hamburg Portfolio Review 2023 legte damit eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung des Formats und etablierte sich als relevanter internationaler Treffpunkt für Fotografie, visuellen Journalismus und den kritischen Diskurs über die Zukunft des Mediums.
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